Dienstag, 6. Dezember 2016

Adventskalender - Dienstag, den 6. Dezember 2016



  

Die Christtagsfreud  (Nach P. Rosegger)

von Richard Mösslinger

D' Muatta hat'n aufgweckt, in zwölfjahrign Buabm
und gsagt: „Leg dih schnöll an, aft über die Huabm
durchn Weg abi nach Langenwang lafn.
Woaßt Bua, sollst Sachn für Weihnachtn kafn!"
Der Vater moant noh: „Mia is wer was schuldi.
Geh drentn zu eahm und wart durt geduldi,
bis d' in der Hand hast deis schuldige Göld,
von dem kafst aft ein, was die Muatter bestöllt!"'
So stapft er im Schnee durchn finstaren Wald,
seine Schriatt knirschn laut, es is fürchterlih kalt.
Es wird langsam deimi und nach a paar Stundn
is deis Büabl, deis kloane, in Langenwang untn.
Da geht er in d' Kirchn um für Beihülf zan betn
und während der Mess hat er d'Orgl fest tretn.
Drauf geht er zan Schuldner. Er passt eahm hint' a(b),
kriagt nur an kloan'n Tal, mehr hätt er net da.
Mit dena paar Kreiza schleicht zan Greißler er hin
und lasst sih dort einpackn, was sei Muatter im Sinn.
Is Göld war vül z'weni, drum war er varlegn,
aber d' Kauffrau hat's lass'n, was im Rucksack is glegn,
wal: „In Waldbauern vom Alpl, den kenn ih scho lang,
von dem kriag ih's schon hinta, da is ma(r) net bang."
Und mit auf'm Weg, der natürlih recht weit,
gibt s' eahm tricknate Zwetschkn als Weihnachtsvurfreid.
Mitm vollpacktn Ranzl, so spoacht er fest aus,
und is in Gedankn ban Haliabndschmaus.
Ba d’ Kreizung aufs Alpl, da muass er kurz rastn,
möcht jausnan an Bissn und a(b)legn die Lastn.
Frisch gstärkt und voll neichgfasster Kraft
moant er, dass er’n Weg hiatz leichter darschafft.
Es dauert net lang, da ziacht's wieder schwer,
da kimmt a laut’s Schlittngspann feiri daher.
Der Herr von Hoh'nwang lasst sih da ziagn
von etlahne Ross, dass d' Huaf nur so fliagn.
Deis Büabl, dem d' Buckllast feindsöli quölt,
denkt: „’s is scho verkehrt auf derer Wölt.
Ih muass da hatschn und teiflschwar tragn,
und er huckt am Schlittn, der von Pferdln wird zogn!"
So stapft er halt weiter. - Aft trifft er an Knecht,
der s’ Ranzl eahm nimmt. Ja, deis is eahm recht.
Doh, wia dei zwoa sand a Zeitl lang gangan,
hat der Lackl, der große, zan lafn angfangan.
Und während is Büabl dem hinterher rennt,
kimmt a Fuhrmann eahm nachi, den er recht guat kennt.
Dem schreit er entgegn: ,,Bitt, halt den durt auf,
nimm's Ranzl eahm a(b), leg’s am Kutscherbock drauf!"
Der tuat, wia eahm ghoaßn, der and're varschwindt
und brummlt was zwengs so an undankbarn Kind.
Der Bua kimmt zan Wagn, därf aufsteign zan Mann
und is sichtlih froh, dass er mitfahrn hiatz kann.
Bald, nach an kloan' Zeitl, wo sih gablt der Steg,
bedankt er sih höflih, geht weiter sein Weg
und is mit sei'm Schädl weit furt ba der Mettn,
wo die Christn vurm Kripperl is Kindl anbetn.
Es dauert net lang, aftn is er dahoam.
„Hastd alles kriagt?", fragt z'erst gleih sei Moam.
„Bist sicherlih miad, hast a Loch drin im Magn,
da wirst wohl a Supperl mit Sterz leicht vartragn!"
Er legt gschwind sei Gwand a(b) und warm wird eahm bald,
mirkt net unterm Löffln, dass's Äugerl zuafallt.
Sei Muatter, dei nimmt eahm und legtn ins Bett.
Es war zwar net sanft, doh aufgwacht is er net.
Der Mond lacht eahm zua, aber ’s Büabl schlaft fest,
wacht am Christtag erst auf, so miad is as gwest.

(Nach „Als ich Christtagsfreude holen ging" von Peter Rosegger)

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